Endlich ein Termin - aber erst im August in einer Kinderarztpraxis in Tübingen, 40 Kilometer entfernt. Die Mutter aus Altensteig ist verzweifelt: "Wenn mein Kind krank wird, bleibt momentan nur der Weg ins Krankenhaus." Viele Eltern in der Region erleben derzeit dasselbe. Die Entscheidung eines Horber Kinderarztes, nur noch Privatpatienten zu behandeln, verschärft die Situation. Auch andere Fachärzte und Allgemeinmediziner fehlen. "Handeln wir jetzt nicht, droht eine massive Unterversorgung im ländlichen Raum. Die Kassenärztliche Vereinigung muss besser auf Notsituationen vorbereitet sein, und wir brauchen mehr Anreize, um Ärzte aufs Land zu holen", sagt Stefan Teufel, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, bei der Diskussionsrunde in Nagold mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt, Klaus Mack.
"Als Vater weiß ich, wie wichtig schnelle, zuverlässige ärztliche Hilfe im Notfall ist. Gute medizinische Versorgung ist entscheidend für die Lebensqualität und ein klarer Standortvorteil - für Familien und Unternehmen", sagt Mack. Teufel kritisiert die Kassenärztliche Vereinigung scharf: Sie sei über den Sicherstellungsauftrag verpflichtet, die Versorgung entsprechend den Erfordernissen zu garantieren. "Dieser Verantwortung wird sie nicht gerecht. Besonders im ländlichen Raum dürfen Praxen nicht einfach geschlossen werden. Angesichts des bevorstehenden Ruhestands vieler Ärzte darf niemand in unterversorgten Regionen ohne medizinische Betreuung dastehen", so Teufel. Das Land setzt auf zusätzliche Studienplätze und das Landärzteprogramm, das Medizinstudenten finanzielle Anreize bietet, wenn sie sich verpflichten, später in unterversorgten Gebieten tätig zu sein. Teufel hält die Gründung von Medizinischen Versorgungszentren für einen wichtigen Schritt, da sie flexiblere Arbeitsmodelle und vor allem jungen Ärztinnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. "Die Digitalisierung, insbesondere durch Telemedizin, kann vor allem in ländlichen Gebieten die sektorenübergreifende medizinische Versorgung deutlich verbessern", sagt Teufel. Er sieht das verpflichtende Dienstjahr für junge Menschen bis 27 Jahre als Chance, den Fachkräftemangel in der Pflege zu bekämpfen: "Bis 2050 fehlen 263.000 Pflegekräfte. Das Dienstjahr soll keine Fachkräfte ersetzen, aber junge Menschen für den Pflegeberuf gewinnen und die Pflege bezahlbar halten."
Auch die Kosten bei den Krankenhäusern im Land sind ein Thema. Das Defizit wächst stündlich um fast 71.000 Euro. Teufel fordert eine aktive Krankenhausplanung, die alle Versorgungsbereiche einbezieht - von den ambulanten Angeboten über den Rettungsdienst bis hin zur Rehabilitation. "Der Bund lässt die kleinen Kliniken derzeit am langen Arm verhungern", sagt Mack und setzt sich für eine auskömmliche Betriebskostenfinanzierung ein. "Wir haben in den Landkreisen Calw und Freudenstadt zukunftsfähige Strukturen geschaffen. Diese müssen stärker berücksichtigt werden", sagt Mack.