Im Dialog mit dem Gehörlosenverein „Schwarzes Tor“ Rottweil e.V.


Treffen in der Bürgersprechstunde mit dem Gehörlosenverein "Schwarzes Tor" Rottweil e.V.

Zu Besuch in meiner Bürgersprechstunde am 25.04.2024: Kerstin Reiner-Berthold und Wolfgang Reiner. Sie sind beide seit Geburt gehörlos und setzen sich für die Belange der Gehörlosen ein. Im Gehörlosenverein „Schwarzes Tor“ Rottweil e.V. ist Frau Reiner-Berthold 1. Vorsitzende und ihr Mann als Schriftführer tätig. Wir sprechen über den Nachteilsausgleich für Gehörlose. Die Problematik wird seit langem diskutiert. Auch wenn es über das Bundesteilhabegesetz (BTHG) bereits einige Verbesserungen gab, werde ich das Thema nochmals mit in den Sozialausschuss nehmen.  Für ca. 8000 Menschen in Baden-Württemberg wäre das Gehörlosengeld einzuführen. Unabhängig von der inhaltlichen Thematik, die wir diskutiert haben, freute ich mich, die beiden kennenlernen zu dürfen und werde bestimmt mal bei ihnen in der Rottweiler Geschäftsstelle vorbeischauen.

Hintergrund:

Im Jahr 2019 zählte das Statistische Landesamt in Baden-Württemberg etwa 8000 gehörlose Menschen. Diese Bevölkerungsgruppe steht täglich vor besonderen Herausforderungen, die ihre Lebensqualität und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinflussen. Die Kommunikation gestaltet sich für gehörlose Menschen oft schwierig, insbesondere in lauten Umgebungen. Dies erschwert nicht nur den alltäglichen Austausch, sondern kann auch zu sozialer Isolation führen. Darüber hinaus erschwert der eingeschränkte Zugang zu akustischen Medien wie Telefonanrufen oder öffentlichen Durchsagen die Informationsaufnahme und -weitergabe. Auch im beruflichen Kontext, wie etwa bei der Jobsuche ergeben sich dadurch erhebliche Nachteile.

Zwar bekommen die Gehörlosen im Alltag meistens einen Dolmetscher gestellt, allerdings erfolgt nicht immer eine Kostenübernahme, sodass in alltäglichen Situationen häufig ein Eigenanteil beizutragen ist. Anders als Blinde, bekommen gehörlose Menschen in Baden-Württemberg hingegen kein Gehörlosengeld im Sinne eines Äquivalents zum Blindengeld.

Einige Bundesländer in Deutschland, darunter Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, NRW und Hessen haben in den vergangenen Jahren ein Gehörlosengeld eingeführt, das sich zwischen 60 Euro und 170 Euro bei einer monatlichen Auszahlung bewegt.