Wähler fühlen Politikern auf den Zahn
Stefan Teufel bei der Podiumsdiskussion der Kolpingfamilie
Oberndorf - Beim Anblick der Diskussionsrunde im Bonhoefferhaus hat sich mancher gefragt, ob die junge Moderatorin die gewieften Politprofis im Griff haben würde. Sie hatte: Nicole Saile scheute sich nicht, die Landtagskandidaten zu ermahnen, wenn sie am Thema vorbeiredeten.Unter dem Motto "Vom Nichtwähler zum Mitmacher" waren am Freitag insbesondere Jungwähler zur Podiumsdiskussion eingeladen. Die Kandidaten Stefan Teufel (CDU), Dieter Kleinmann (FDP), Klaus Eisenhardt (SPD), Alexander Rustler (Grüne) und Bernd Richter (ÖDP) sollten Rede und Antwort stehen.
Bei der Frage, wie sie zu Bürgerprotesten stünden, waren sich die Kandidaten mehr oder weniger einig: Man müsse es dem Bürger wohl einfacher machen, Volksbegehren herbeizuführen. Sehr großes Interesse bei den mehr als 100 Besuchern fand das Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Hier gingen die Meinungen gewaltig auseinander: Einig waren sich die Kandidaten wohl darüber, dass das Land Fachkräfte dringend brauche und man eigentlich auch nicht auf sie verzichten könne, wenn Kinder kämen. Die CDU wolle dieses Problem unter anderem mit modernen Betreuungsformen und effizienteren Tagesmütterstrukturen lösen, die FDP möchte mit Ganztagsschulen Möglichkeiten erschließen und die SPD denke an flexible Arbeitszeitmodelle. Die Grünen würden Erleichterungen verlangen, nicht nur für Verheiratete, sondern einfach für Familien mit Kindern. Die ÖDP strebe ein höheres Elterngeld an, das laut Richter durchaus finanzierbar sei.
"Unser Rohstoff ist unser Wissen"
Saile bemängelte, dass die Schulsozialarbeit durch die Kommunen finanziert werden müsse. Während Eisenhardt, Richter und Rustler ein neues Schulsystem favorisierten und der Meinung waren, man könne die Kommunen nicht allein auf den Kosten sitzen lassen, warben die Vertreter der aktuellen Regierungsparteien für das bisherige System. Beide räumten aber ein, dass Ganztagsschulen ohne Schulsozialarbeit nicht möglich seien.
Andi Schmider konfrontierte die Politiker mit den Fragen, die die Besucher in der Pause auf Karten notiert hatten. Die Frage nach der Abschaffung der Studiengebühren wurde von Kleinmann mit einem klaren "Nein" beschieden, während Rustler der Meinung war, dass "unser Rohstoff unser Wissen ist und deshalb durch die Studiengebühr unnötige Hürden aufgebaut werden". Auch die Aufbewahrung von Sportwaffen war Thema. Die Kandidaten waren sich einig, dass man zwar Waffe und Munition getrennt aufbewahren solle, aber die Sportschützen durchaus in der Lage seien, mit ihrem Sportgerät sorgsam umzugehen. Nicht wegzudenken aus dem Wahlkampf sind Fragen nach dem Atomausstieg und einer Straßenmaut. Die entfachten zwar eine heftige Diskussion, brachten aber letztlich keine neuen Erkenntnisse.
Das Thema Krankenhäuser und Landärztemangel beschäftigte viele Besucher. Die Kandidaten erklärten nochmals die Gründe für ihre Stimmabgabe im Kreistag, konnten aber zum Landärztemangel im Kreis kein Allheilmittel anbieten. Kleinmann befürwortete einen Bonus auf die Abitursnote und meinte, dass hier wohl auch die Kommunen gefragt seien. Teufel stellte ein Sieben-Punkte-System vor, in dem unter anderem Studienplätze für spätere Landärzte reserviert werden sollen. Außerdem müsse man finanzielle Anreize schaffen. In die gleiche Kerbe schlug Eisenhardt und meinte, man müsse die Marktwirtschaft zum Zug kommen lassen. Richter wollte die Krankenkassen stärker in die Verantwortung nehmen und Rustler schlug vor, den Ärzten mit finanziellen Mitteln das Land schmackhaft zu machen.





